Umfrageergebnisse sind keine Wahlergebnisse – aber doch gute Prognosen?

Immer wieder werden die letzten Umfrageergebnisse kurz vor einer Bundestagswahl als Prognosen missverstanden. Es scheint nicht zu helfen, dass Demoskopen immer wieder vermerken, Umfrageergebnisse würden Stimmungen widerspiegeln und keine Prognose über ein Wahlergebnis bedeuten. Die Prognosen würden am Wahlabend aufgrund von Wahltagsbefragungen und danach anhand von Hochrechnungen gemacht – nicht früher, nicht später. Es ist jedoch der Öffentlichkeit kaum abzugewöhnen, Umfrageergebnisse dennoch als Prognosen zu lesen. Wie viel wird eigentlich falsch gedacht, wenn so gedacht wird? Weiterlesen

Wahlenthaltung: Mit dem Gestus der Verachtung

Zu den Signaturen des politischen Diskurses in Deutschland gehört schon lange die Parteienverachtung. Verbrieft ist sie bei Kaiser Wilhelm II, erheblichen Schaden hat sie in der Weimarer Republik angerichtet. Oswald Spengler, Ernst Jünger, Carl Schmitt und ihre vordemokratischen Mitstreiter der „konservativen Revolution“ machten nie einen Hehl daraus, dass Parteien in das Elend der plebejischen Interessenvertretung parlamentarischer Demokratien geführt haben. Sie monopolisierten den Zugang zum Parlament und machten es zu einer „Schwatzbude“, in der geschwätzt, aber nicht entschieden wird. Exekutive Dezision nicht demokratische Deliberation kennzeichne das wahre Politische. ((Dieser Beitrag ist auch auf Cicero Online erschienen.)) Weiterlesen

Der freie Markt ist männlich: Frauenanteile bei den Kandidaturen zur Bundestagswahl 2013

Machen Frauen anders Politik als Männer? Die Antwort auf diese Frage liegt irgendwo zwischen Geschlechterstereotypen und widersprüchlichen empirischen Ergebnissen. Leisten Frauen automatisch aufgrund ihres Geschlechts bessere Arbeit in Parlamenten als Männer? Das erscheint eher unwahrscheinlich. Sind geringe Frauenanteile in Parlamenten ein Problem für die Demokratie? Mit Sicherheit ja, denn sie deuten auf strukturelle Diskriminierung hin, die sich auch von einer Frau an der Spitze der Bundesregierung nicht überstrahlen lässt. Nach der Bundestagswahl 2009 lag der Frauenanteil bei lediglich 32,8%, ein Wert, der seit der Wahl 1998 (30,8%) mehr oder weniger stagniert. Die Debatte um Quotenregelungen für Führungsetagen großer Unternehmen ließe sich also problemlos auf den Bundestag und die politischen Parteien übertragen. Weiterlesen

Wider den Zynismus – Wieso man Wahlprogramme ernst nehmen sollte

Im Vorfeld der Wahlen hat es im politischen Berlin jüngst eine Diskussion darum gegeben, ob man Wahlprogramme ernst nehmen dürfe. Laut Politbarometer vom Juni 2013 teilen 80% der Bundesbürger die skeptische Sichtweise des Präsidenten des Wirtschaftsrates der CDU, Kurt Lauk. Zu recht? Hängen die Parteien, frei nach Franz Josef Strauß, ihre Prinzipien so hoch, dass sie, einmal an der Macht, drunter hergehen können? Weiterlesen

And they do differ! An analysis of the German parties‘ election programs 2013

In the run-up to next Sunday’s  German Bundestag election, there is much speculation about the anticipated low voter turnout. One of the commonly cited reasons for the dwindling willingness of voters to cast their ballots is because the main political parties do not differ, positional, in their political programs. How true is this assumption? Weiterlesen

Which Policies Do Parties Really Advocate? – Introducing the Manifesto Project

One of the central and most interesting areas in the political party research agenda is the exploration of which positions parties take on single policy issues, policy fields and general ideological scales like the left-right continuum. Knowing these positions is the basis for assessing what parties stand for, whether they do what they stand for and, indeed, whether they stand for what citizens want them to do. Weiterlesen

Und sie unterscheiden sich doch! Eine Analyse der Wahlprogramme zur Bundestagswahl 2013

Kurz vor der Bundestagswahl am nächsten Sonntag wird in vielen Medien über die erwartete steigende Zahl der Nichtwähler diskutiert. Eine immer wieder erwähnte Begründung für das Desinteresse der Bevölkerung an den Wahlen ist die Annahme, dass sich die Programmatiken der Parteien kaum voneinander unterscheiden. Aber stimmt diese Annahme? Die in der Regel umfangreichste Zusammenfassung der Programmatik findet sich in den Wahlprogrammen der Parteien. Eine Analyse dieser Programme für die Bundestagswahl 2013 zeigt, dass der politische Wettbewerb in Deutschland gar nicht so grau ist und die Parteien sich in vielen Themen deutlich voneinander unterscheiden. Weiterlesen

In schlechter Gesellschaft: Harte Repression im Lager der Autokratien

Politische Repression im Sinne des systematischen Verstoßes gegen individuelle Abwehr- und politische Teilhaberechte ist nahezu ein definierendes Merkmal von Autokratien.  Sofern autokratische Regierungen sich an der Macht halten wollen, müssen sie in der Lage sein, Dissidenten zu unterdrücken und Oppositionskräfte auszuschalten. Vor diesem Hintergrund avanciert politische Repression zu einem zentralen Instrument. Ob nun die Armee Myanmars die Demokratiebewegung des Jahres 1988 blutig niederschlug oder Alexander Lukaschenko oppositionelle Präsidentschaftskandidaten inhaftiert, die Intention ist stets dieselbe: Durch politische Repression erschweren Autokratien den Aufbau einer schlagkräftigen politischen Oppositionsbewegungen nachhaltig. In welchem Umfang aber greifen Autokratien tatsächlich auf politische Repression zurück, welche Entwicklungen sind über Zeit zu beobachten und wie wirkt sich politische Repression auf die Chance eines politischen Systemwechsels hin zur Demokratie aus? Diesen und eng verwandten Fragen geht das Projekt „Critical Junctures and the Survival of Dictatorships. Explaining the Stability of Autocratic Regimes“ am WZB nach. Weiterlesen

Call for chapters

Die Herausgeber des geplanten Buches „Wirtschaftskrise und Wahlverhalten in Deutschland“ Aiko Wagner und Heiko Giebler freuen sich über Kapitelvorschläge zu dem Buch. Im Fokus dieses extern begutachteten Sammelbandes zur Bundestagswahl 2013 steht der Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Entwicklung bzw. Wirtschafts-/Schulden-/Eurokrise auf der einen und politischem Verhalten sowie politischem Wettbewerb auf der anderen Seite. Die Kapitelvorschläge können klassische Themen ansprechen oder auch neuere Entwicklung der Wahlforschung aufgreifen, wie z.B. Ansätze der politischen Psychologie. Neben Analysen, die sich detailliert mit der aktuellen Bundestagswahl auseinander setzen, sind Beiträge von besonderem Interesse, die eine longitudinale und/oder komparative Perspektive einnehmen und somit helfen können, die Rolle der Ökonomie bei der Bundestagswahl 2013 besser einzuordnen.

Alles weitere findet ihr im PDF: CfP_Wirtschaftskrise_und_BTW2013.

Die dritte Welle der Demokratisierung oder – die erste Welle der Hybridisierung?

In Portugal begann bekanntermaßen im Jahre 1974 mit der Nelkenrevolution, was Samuel Huntington später die „dritte Welle der Demokratisierung“ nannte. Spanien und Griechenland folgten, in den 1980ern schwappte die Welle nach Lateinamerika, Südostasien, erfasste einige Staaten Afrikas und brach schließlich ab 1989 krachend über den sozialistischen Ländern Osteuropas und der früheren Sowjetunion. Es war eine lange Welle – die Rede war sogar vom Ende der Geschichte. Weiterlesen