Neue Publikation: Sammelband „Wirtschaft, Krise und Wahlverhalten“, hrsg. von Heiko Giebler und Aiko Wagner

Das griechische Referendum vom Wochenende ist nur das letzte von vielen Ereignissen, das uns den Zusammenhang von Ökonomie und Politik vor Augen fĂŒhrt. Seit dem Beginn der Banken-, Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2007 beobachten wir eine regelrechte Renaissance der Ökonomie im politischen und öffentlichen Diskurs – und das nahezu weltweit. Die Debatten der Post-Moderne werden von ‚bread and butter‘-Themen wieder in den Hintergrund geschoben. Somit drĂ€ngt es sich geradezu auf, sich dem VerhĂ€ltnis von ökonomischen Entwicklungen und politischem Verhalten erneut und mit einer in deutscher Sprache bislang nicht vorhandenen Breite aus wissenschaftlicher Perspektive anzunehmen.

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Der von Heiko Giebler und Aiko Wagner herausgegebene Sammelband hinterfragt aus verschiedenen Perspektiven die Beziehung zwischen Ökonomie und politischem Verhalten und Einstellungen vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise. Innovative Analysen einer Vielzahl von Datenquellen ergeben, dass der Satz „It’s the economy, stupid!“ mehrfach differenziert werden muss: den ökonomischen WĂ€hler gibt es nicht. Weiterlesen

Ist die Politik der Troika undemokratisch?

Die Fakten sind bekannt. Seit dem Ausbruch der Finanz- und wenig spĂ€ter der Eurokrise erlebt Griechenland die dramatischste Wirtschaftskrise Westeuropas seit 1950. Die Arbeitslosigkeit stieg von 7,8 % im Jahr 2008 auf 27,5 % (2013); die Jugendarbeitslosigkeit betrĂ€gt das Doppelte. Das Wachstum brach in den fĂŒnf Jahren nach Ausbruch der Krise um 29 % ein, der Mindestlohn wurde um ein Viertel gekĂŒrzt. Die desaströsen Kennziffern könnten fortgesetzt werden und deuten doch die soziale Katastrophe nur an.

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Interview with Wolfgang Merkel: Democracies and their Crises Reconsidered

Jean-Paul Gagnon (Australian Catholic University) interviews Wolfgang Merkel on the state of democratic theory, democratic quality and crises. The interview will soon be published in the forthcoming book by Jean-Paul Gagnon, Democracies Across Dialogues: Presents, Pasts and Futures.

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Italy’s Five Star Movement – a spectral analysis of its political composition

By Francesco Bailo

Francesco Bailo is a PhD student in the Department of Government and International Relations at the University Of Sydney and a guest researcher at WZB. He is completing his dissertation thesis on online forms of political mobilisation, organisation and deliberation, focusing on the case of the Five Star Movement in Italy.

To talk about identity and soul of the Five Star Movement (M5S) is not only politically contentious but also practically challenging because of the different axes (at least three) along which the M5S has been developing: the vertical top-down axis from Beppe Grillo to his followers (and sympathising voters), the horizontal axis connecting thousands of militants across the country to local, flexible and loosely organised meetups, and finally the cloudy axis linking Internet users through the different online communicative platforms pertaining to the Movement. The academic literature and the media have been prevalently interested in mapping the provenance of votes. I will try here to show some data also on the position of the M5S derived from its 2013 electoral program and the political background of both the onsite and online activists of the Movement.

But let’s first start briefly introducing the trajectory of a movement that vehemently refuses to be called a party or to be associated with any traditional political identity.

 

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Towards the End of the left / right Paradigm

With the rise of populism on both sides of the political scpectrum, raising new oppositions, is the traditional left/right political divide still relevant to understand contemporary European societies? Four experts from Europe and beyond answer this critical question.

This commentary was first published in QUERIES, Spring 2015, p. 27-31

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Verzerrte Gesellschaft, Marcus KrÀmer im GesprÀch mit Wolfgang Merkel

Ist die Demokratie in einer Krise? Straßenproteste und neue Parteien sind NormalitĂ€t, sagt der Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel. Ihn treibt eine ganz andere Sorge um.

Schon Platon und Aristoteles sprachen von einer Krise der Demokratie. Doch in letzter Zeit scheint das ewige Thema wieder brisant zu werden: soziale Ungleichheit, sinkende Wahlbeteiligung, Zusammenprall der Kulturen, Massenproteste in Dresden. Der Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel befasst sich seit Jahren mit den StÀrken und SchwÀchen demokratischer Systeme. Er warnt davor, dass sich ein Teil der Bevölkerung von der Politik verabschiedet.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei SĂ€chsische Zeitung Online am 17. MĂ€rz 2015

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In Search of Lost Consensus: Finnish Politics Four Years after the „jytky“

Saara Inkinen, Research Fellow of the Research Unit Democracy and Democratization

In a recent interview with the Financial Times, the ceding Prime Minister Alexander Stubb was asked to reflect upon his time in office with an eye to the upcoming Finnish parliamentary elections on April 19. His response was as short as it was poignant: his premiership had been a „traumatic experience“.[i] Looking back on the four years that have passed since the last parliamentary elections in 2011, it is not difficult to see what prompted Stubb to make this statement. Finnish politics has traditionally been guided by the principle of consensus, which has allowed political elites across the left-right spectrum to reach pragmatic compromises on core societal issues. Yet the past parliamentary term has been anything but consensual. Not only has the coalition government been torn by internal disagreements almost since the day of its inception; it has also proven incapable of taking much-needed political action to combat a shrinking economy, rising unemployment rates and a state budget deficit that is predicted to swell to 124 billion Euros in the coming years. In short, Stubb’s cabinet is at real risk to go down in history as one of the worst governments the country has ever had.

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Kurzanalyse zur #hhwahl2015

Die Wahl zur Hamburger BĂŒrgerschaft 2015 verzeichnete ein neues Rekordtief der Wahlbeteiligung. Zugleich gelang der AfD erstmals der Einzug in ein westdeutsches Landesparlament. Eine Kurzanalyse der Wahlkreisdaten zeigt: Die Wahlbeteiligung war besonders dort niedrig wo die Arbeitslosigkeit hoch war, in diesen Wahlkreisen fand auch der deutlichste RĂŒckgang der Wahlbeteiligung gegenĂŒber 2011 statt. Die AfD scheint, Ă€hnlich PEGIDA, besonders dort erfolgreich zu sein, wo wenige AuslĂ€nderInnen leben.

Was ist links? Drei Fragen an Wolfgang Merkel

Das Interview erscheint in der Zeitschrift „Queries

Hat das politische Rechts-Links-Schema angesichts der erstarkenden populistischen Bewegungen weiterhin eine Daseinsberechtigung?

Ja, das hat es. Allerdings muss man berĂŒcksichtigen, dass sich die Inhalte dessen, was wir als links und rechts beschreiben, verschoben haben. Die historisch inhaltliche Achse, auf der linke und rechte Positionen verortet werden konnten, war die Verteilungsfrage gesellschaftlich erwirtschafteten Wohlstands. Dies konnte im ersten Zweidrittel des 20. Jahrhunderts noch in den (neo-) marxistischen Begriffen von privater VerfĂŒgung ĂŒber die Produktionsmittel und ausbeuterischen ProduktionsverhĂ€ltnissen verstanden werden. Die marxistische Begrifflichkeit verschwand, die Verteilungsfrage blieb in den kapitalistischen Demokratien jedoch weiter bestehen. Sie wurde nun nicht mehr ĂŒber Verstaatlichungen, sondern ĂŒber Steuern und wohlfahrtsstaatliche Leistungen (sozialdemokratische Parteien), Löhne (Gewerkschaften), PrimĂ€rgĂŒter (John Rawls) oder Lebenschancen (Amartya Sen) thematisiert. Im Zuge der Neoliberalisierung der Welt seit den frĂŒhen 1980er Jahren hat die Ungleichheit in der Verteilung von Einkommen und Lebenschancen wieder zugenommen. Die Verteilungsfrage hat sich erneut verschĂ€rft. In Zeiten der Globalisierung haben jedoch nunmehr die „Kapitalseite“ und die „Inhaber“ hochentwickelten Humankapitals Vorteile gegenĂŒber Arbeitern und Menschen mit weniger nachgefragten professionellen FĂ€higkeiten. Fortschrittliche Parteien und Regierungen haben bisher nur unzureichende Wirtschafts- und Sozialpolitiken entwickelt, die das notwendige Investitionskapital anzieht und gleichzeitig die Ungleichheit in der Gesellschaft nicht anwachsen lĂ€sst. Weiterlesen