Demokratie spielend gestalten – Ein Fall für das Demokratiebarometer

 

Mit dem Seminar „We the people: Demokratie spielend gestalten“ (Syllabus) haben Dr. Saskia Ruth und Dr. Rebecca Welge im Frühjahrssemester 2016 ein neues Lehrkonzept am Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich getestet. Das Seminar verfolgte das Ziel gemeinsam mit Studierenden ein Demokratiespiel zu entwickeln, das die Kernelemente der Demokratie und ihre Zielkonflikte abbildet. Das Spiel soll später als angeleitetes Bildungsspiel in der Universitätslehre eingesetzt werden können. Dabei standen sowohl die anwendungsorientierte Beschäftigung mit klassischen politikwissenschaftlichen Demokratietheorien als auch die interaktive Einbindung der Studenten in den Prozess der Spielentwicklung im Mittelpunkt.

Basierend auf zwei aktuellen Projekten der empirischen Demokratieforschung – dem Demokratiebarometer und dem Varieties of Democracy – arbeiteten die Studenten in der ersten Hälfte des Seminars die relevanten Kernelemente, Funktionen und Institutionen der Demokratie heraus. Gleichzeitig identifizierten sie verschiedene Demokratieperspektiven als mögliche Spieler.

Untitled      Untitled2Fotos: Saskia P. Ruth & Rebecca Welge

Darauf aufbauend begannen die Teilnehmer in der zweiten Hälfe des Seminars mit der Umsetzung ihrer gewonnenen Fachkenntnisse in thematisch relevante Spielmechanismen. Mit der Unterstützung des Beraters für Bildungsspielentwicklung Robert Lovell konnten die Studenten dann in einem abschliessenden Spieleworkshop Ideen in die Praxis und in mehrere Spielvarianten umsetzen. Dazu wurde vor Ort gebastelt, debattiert, angepasst und ausprobiert.

Ein Fazit zum Seminar: Mit hochmotivierten Teilnehmern ist vieles möglich! Gemeinsam nahmen sie die ersten Schritte in Richtung eines thematisch fundierten und spielerisch ansprechenden Demokratiespiels. Einen Erfahrungsbericht zum Seminar gibt es unter diesem Link.

The securitization of stability and the demise of the Arab Uprisings

This post was originally published on the Blog of the Middle East Center at the London School of Economics and Political Science (LSE) on March 18th, 2015.

The uprisings that swept across the Arab World in 2011 where remarkable in many ways. They constituted a serious challenge to the authority of the most coherent bloc of authoritarian regimes. During spring that year, the streets across Arab capitals where filled with people expressing their grievances and demanding change. The protests broke with the orientalist and paternalistic perception of ‘respected’ authoritarian leaders. The Arab uprisings also taught us that demography matters. It was the disenfranchised youth that initiated the protests in most places, a faction of society that never before appeared on the stage as a relevant political actor. Young Arabs assembled and screamed the same slogans towards the parliaments and palaces from Sanaa to Rabat.

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Schaufelt sich Mugabe durch Kooptation das eigene Grab? Eine Fallstudie zum Verhältnis von Kooptation und Repression in Simbabwe

Von Anne-Marie Parth, BA, ehemalige Praktikantin der Abteilung

In Zeiten, in denen es kein Böse und kein Gut mehr gibt, in denen die transatlantische Freundschaft für ein wenig Informationsgewinn missbraucht wird und sich die vermeintlichen Bösewichte im Schafsfell tarnen, sehnt man sich nach dem eindeutig Bösen, das keine diplomatischen Graustufen erfordert. Robert Mugabe, der Präsident Simbabwes, scheint sowohl die verdächtige Bartbreite zu besitzen als auch die notwendige Gewalt anzuwenden, um das neue, allseits akzeptierte Feindbild abzugeben. Weiterlesen

The Uncertain Outcome of Protests in Venezuela

Laura Gamboa, Ph.D. Candidate in Political Science at the University of Notre Dame

Last February, Venezuela saw the beginning of widespread student demonstrations gainst  Nicolás Maduro’s government. ((For more information on Venezuela in English I recommend the Caracas Chronicles.)) For a while, it seemed like the government was not going to stand the pressure. Four months, 41 deaths and 3864 detentions later (Foro Penal Venezolano), however, things have not changed much. Weiterlesen

Pfadabhängigkeit, Elitenversagen und Geopolitik in der demokratischen Transformation: Das Lehrstück Ukraine

Ein Gastbeitrag von Yuliya Erner (Doktorandin an der Humboldt-Universität zu Berlin)

Seit nun mehr als drei Monaten steht die Ukraine im Mittelpunkt der Nachrichten: Ende November 2013 haben sich auf dem Platz der Unabhängigkeit in Kiew Menschen versammelt, die das politische Regime von Präsident Janukowitsch nicht mehr tolerieren wollten. Den Anlass für die Proteste (bekannt als Euro-Maidan) bot die Absage des ukrainischen Präsidenten, ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union zu unterschreiben. Im Februar 2014 floh Präsident Janukowitsch und wurde für abgesetzt erklärt. Ein paar Tage später hat das russische Parlament in Moskau Präsident Putin die Genehmigung erteilt, russische Militärkräfte zum Schutz der russischen Bevölkerung auf der Krim zu aktivieren. Weiterlesen

Die Mär vom „demokratischen Putsch“ in Ägypten

Nach dem Sturz des Mubarak-Regimes im Februar 2011 und der anschließenden 18-monatigen „Übergangsphase“, in der Ägypten von einer Militärjunta – dem Obersten Militärrat (SCAF) – regiert wurde, griff die ägyptische Armee am 3. Juli 2013 erneut in die politischen Geschicke des Landes ein. In einer Fernsehansprache verkündete der Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber der Streitkräfte General Abdel Fattah al-Sisi die Absetzung des ersten im Jahr zuvor demokratisch gewählten Präsidenten Mohammed Mursi sowie die Aufhebung der umstrittenen neuen Verfassung. Weiterlesen

In schlechter Gesellschaft: Harte Repression im Lager der Autokratien

Politische Repression im Sinne des systematischen Verstoßes gegen individuelle Abwehr- und politische Teilhaberechte ist nahezu ein definierendes Merkmal von Autokratien.  Sofern autokratische Regierungen sich an der Macht halten wollen, müssen sie in der Lage sein, Dissidenten zu unterdrücken und Oppositionskräfte auszuschalten. Vor diesem Hintergrund avanciert politische Repression zu einem zentralen Instrument. Ob nun die Armee Myanmars die Demokratiebewegung des Jahres 1988 blutig niederschlug oder Alexander Lukaschenko oppositionelle Präsidentschaftskandidaten inhaftiert, die Intention ist stets dieselbe: Durch politische Repression erschweren Autokratien den Aufbau einer schlagkräftigen politischen Oppositionsbewegungen nachhaltig. In welchem Umfang aber greifen Autokratien tatsächlich auf politische Repression zurück, welche Entwicklungen sind über Zeit zu beobachten und wie wirkt sich politische Repression auf die Chance eines politischen Systemwechsels hin zur Demokratie aus? Diesen und eng verwandten Fragen geht das Projekt „Critical Junctures and the Survival of Dictatorships. Explaining the Stability of Autocratic Regimes“ am WZB nach. Weiterlesen

Die dritte Welle der Demokratisierung oder – die erste Welle der Hybridisierung?

In Portugal begann bekanntermaßen im Jahre 1974 mit der Nelkenrevolution, was Samuel Huntington später die „dritte Welle der Demokratisierung“ nannte. Spanien und Griechenland folgten, in den 1980ern schwappte die Welle nach Lateinamerika, Südostasien, erfasste einige Staaten Afrikas und brach schließlich ab 1989 krachend über den sozialistischen Ländern Osteuropas und der früheren Sowjetunion. Es war eine lange Welle – die Rede war sogar vom Ende der Geschichte. Weiterlesen