Demokratie spielend gestalten – Ein Fall für das Demokratiebarometer

 

Mit dem Seminar „We the people: Demokratie spielend gestalten“ (Syllabus) haben Dr. Saskia Ruth und Dr. Rebecca Welge im Frühjahrssemester 2016 ein neues Lehrkonzept am Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich getestet. Das Seminar verfolgte das Ziel gemeinsam mit Studierenden ein Demokratiespiel zu entwickeln, das die Kernelemente der Demokratie und ihre Zielkonflikte abbildet. Das Spiel soll später als angeleitetes Bildungsspiel in der Universitätslehre eingesetzt werden können. Dabei standen sowohl die anwendungsorientierte Beschäftigung mit klassischen politikwissenschaftlichen Demokratietheorien als auch die interaktive Einbindung der Studenten in den Prozess der Spielentwicklung im Mittelpunkt.

Basierend auf zwei aktuellen Projekten der empirischen Demokratieforschung – dem Demokratiebarometer und dem Varieties of Democracy – arbeiteten die Studenten in der ersten Hälfte des Seminars die relevanten Kernelemente, Funktionen und Institutionen der Demokratie heraus. Gleichzeitig identifizierten sie verschiedene Demokratieperspektiven als mögliche Spieler.

Untitled      Untitled2Fotos: Saskia P. Ruth & Rebecca Welge

Darauf aufbauend begannen die Teilnehmer in der zweiten Hälfe des Seminars mit der Umsetzung ihrer gewonnenen Fachkenntnisse in thematisch relevante Spielmechanismen. Mit der Unterstützung des Beraters für Bildungsspielentwicklung Robert Lovell konnten die Studenten dann in einem abschliessenden Spieleworkshop Ideen in die Praxis und in mehrere Spielvarianten umsetzen. Dazu wurde vor Ort gebastelt, debattiert, angepasst und ausprobiert.

Ein Fazit zum Seminar: Mit hochmotivierten Teilnehmern ist vieles möglich! Gemeinsam nahmen sie die ersten Schritte in Richtung eines thematisch fundierten und spielerisch ansprechenden Demokratiespiels. Einen Erfahrungsbericht zum Seminar gibt es unter diesem Link.

The European Union: Too much democracy, too little or both?

By Richard Rose

This blog post was originally posted on the Oxford University Press.

In a symbolic gesture toward creating an ever closer Union, the EuropeanUnion conferred citizenship on everyone who was also a subject of one of its member states. However, the rights of European citizens are more like those of subjects of a the pre-1914 Germain Kaiser than of a 21st century European democracy. Citizens have the right to vote for members of the European Parliament (EP) but this does not make the EU’s governors accountable as is the case in a normal parliamentary democracy. The result is a democratic deficit. Weiterlesen

„Is capitalism compatible with democracy?“ Vortrag von Wolfgang Merkel in Lissabon

Unter dem provokanten Titel „Is capitalism compatible with democracy?“ hat Wolfgang Merkel am 6. November einen Vortrag am Instituto Universitário de Lisboa (ISCTE) gehalten. Die Veranstaltung wurde von ISCTE und der Friedrich Ebert Stiftung organisiert.

Die Folien und das Video des Vortrages findet ihr hier.

Das Problem der Demokratie ist nicht die Krise, sondern der Triumph des Kapitalismus

Mehr substanzielle, weniger symbolische Politik tut Not. Gespräch der Neuen Gesellschaft / Frankfurter Hefte (NG/FH) mit Wolfgang Merkel. Das Interview erschien jüngst in englischer Übersetzung online in Social Europe. An English Translation of the following interview was just published as Democracy’s Problem Is Not The Crisis But The Triumph Of Capitalism, on Social Europe.

NG/FH: Die in gewisser Weise ständig gestellte Diagnose einer »Krise der Demokratie« hat sich in den letzten Jahren dermaßen verschärft, dass mittlerweile sogar gefragt wird, ob wir überhaupt noch »echte« Demokratie in den Kernländern der OECD haben? Das gipfelt in dem Befund, unsere Länder seien in Hinblick auf die Kernfragen ökonomischer Macht im Prinzip reformunfähig und künftig nur noch ein Spielball der wirtschaftlichen Macht. Was wäre ein gültiger Maßstab, um die Krise der Demokratie und ihre Qualität zu beurteilen, und was ist die Antwort in Bezug auf die gegenwärtige Lage?

Wolfgang Merkel: So einfach sind die Diagnosen nicht. Kaum eine von ihnen vermag zu erklären, was ihr Referenzmaßstab ist. Ist es die normativ vermutete »echte« Demokratie? Ist es ein versunkenes goldenes Zeitalter der Demokratie? Beides wäre falsch. »Eine« echte Demokratie gibt es nicht. Wäre es die direkte oder die repräsentative Demokratie? Wünschen wir mehr Konsens und Inklusion oder vertrauen wir der Effizienz der Mehrheitsregel? Bevorzugen wir zentralistische oder föderale Demokratien? Wollen wir mehr Schweiz mit ihrer Konsensregel oder doch das »Westminster-Modell« mit seinem rabiaten Mehrheitsprinzip? Die Annahme, dass es ein besseres Zeitalter der Demokratie gegeben hat, ist geschichtsvergessen. Wann sollte das gewesen sein? In den 60er und frühen 70er Jahren? Fragen wir doch die Frauen, die ethnischen Minderheiten, Homosexuelle in den USA, der Schweiz, Deutschland oder anderswo, ob sie das auch so sehen. Die Demokratien heute haben erhebliche Probleme, aber sie sind aufs Ganze gesehen keineswegs schlechter als in irgendeiner Vergangenheit.

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Interview with Wolfgang Merkel: Democracies and their Crises Reconsidered

Jean-Paul Gagnon (Australian Catholic University) interviews Wolfgang Merkel on the state of democratic theory, democratic quality and crises. The interview will soon be published in the forthcoming book by Jean-Paul Gagnon, Democracies Across Dialogues: Presents, Pasts and Futures.

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Towards the End of the left / right Paradigm

With the rise of populism on both sides of the political scpectrum, raising new oppositions, is the traditional left/right political divide still relevant to understand contemporary European societies? Four experts from Europe and beyond answer this critical question.

This commentary was first published in QUERIES, Spring 2015, p. 27-31

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In Search of Lost Consensus: Finnish Politics Four Years after the „jytky“

Saara Inkinen, Research Fellow of the Research Unit Democracy and Democratization

In a recent interview with the Financial Times, the ceding Prime Minister Alexander Stubb was asked to reflect upon his time in office with an eye to the upcoming Finnish parliamentary elections on April 19. His response was as short as it was poignant: his premiership had been a „traumatic experience“.[i] Looking back on the four years that have passed since the last parliamentary elections in 2011, it is not difficult to see what prompted Stubb to make this statement. Finnish politics has traditionally been guided by the principle of consensus, which has allowed political elites across the left-right spectrum to reach pragmatic compromises on core societal issues. Yet the past parliamentary term has been anything but consensual. Not only has the coalition government been torn by internal disagreements almost since the day of its inception; it has also proven incapable of taking much-needed political action to combat a shrinking economy, rising unemployment rates and a state budget deficit that is predicted to swell to 124 billion Euros in the coming years. In short, Stubb’s cabinet is at real risk to go down in history as one of the worst governments the country has ever had.

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Buchvorstellung „Demokratie und Krise“

BuchMit Sorge hat so mancher am vergangenen Wochenende auf die Wahlen in Griechenland geblickt. Würde sich das Wahlvolk vom Versprechen auf ein Ende der Sparpolitik leiten lassen, würde es dem Linksbündnis Syriza gelingen, stärkste Partei zu werden, und wäre dadurch die Stabilität des gesamten Euroraums gefährdet? Was kann man noch von einem demos erwarten, der mit täglich neuen ökonomischen Hiobsbotschaften konfrontiert ist? Wer solche Befürchtungen äußert, hat eines verloren: das Vertrauen in die Institutionen der Demokratie, in ihre Legitimation, in die Effizienz und Effektivität ihrer Entscheidungen. Dieser Verlust an Vertrauen kann reale Gründe haben. Können – wie in extremis in Griechenland – die demokratisch legitimierten Institutionen, Organisationen und Verfahren nationalstaatlicher Demokratien überhaupt noch jene politischen Entscheidungen treffen, wofür sie der demos gewählt hat? Entsprechen die seit den 1970er Jahren lauter werdenden Stimmen, dass die etablierten Demokratien in einer tiefen Krise stecken und schon die Phase postdemokratischer Ordnungen erreicht haben, der Realität? Lässt sich der theoretische Krisendiskurs durch empirische Demokratieforschung beglaubigen? Weiterlesen

The Game is not over: There is more than Protests and Football going on in Brazil

All eyes are now turned to Brazil, the „country of football“, which happens to host this year’s World Cup. Weeks before the start of the tournament, international newspapers were already filling their pages with articles about Brazil’s purported many problems: inequality, poverty, criminality, corruption, and massive protests all over. Television programs also featured infrastructure deficiencies everywhere, making the audience wonder whether international football stars would get stuck on unfinished roads and airports, besides facing the poor living conditions supposedly faced by Brazilian people every day. The sunny beaches and the beautiful tropical landscape have surely also been broadcasted, contrasted with sad images from the country’s many favelas and slums. In almost all means of communications, journalists spent weeks doing political analysis just as well as they did football predictions. Weiterlesen