Das Recht auf Staatlichkeit nach dem Krieg

Dies ist die ungekĂĽrzte Version eines Beitrags, der unter dem Titel „Nach dem Krieg kommt die Moral“ in der Frankfurter Rundschau am 20./21.9.2014 erschienen ist.

Hoffnungen stiegen hoch nach dem Ende des Kalten Krieges. Mit dem Kollaps der Sowjetunion und der Demokratisierung der Staaten des Warschauer Pakts schien die Bipolarisierung der Welt der Vergangenheit anzugehören. Von einer friedlichen multipolaren Weltordnung war die Rede. Idealisten, Neokantianer und Konstruktivisten träumten von der Verrechtlichung der internationalen Beziehungen. Sie vertrauten auf die Kraft des vernünftigen Arguments und hofften auf eine ökonomische Friedensdividende. Weiterlesen

Twitter-Wordclouds der Parteien in der Woche vor der Landtagswahl in Sachsen

Wir haben uns mal die häufigsten Begriffe angeschaut, die in Zusammenhang mit den fünf in den Sächsischen Landtag eingezogenen Parteien auf Twitter genannt wurden. Unten findet ihr die grafische Aufarbeitung der Auszählung. Es sind jeweils die 50 häufigsten Wörter: Weiterlesen

Gejammer vs. Worthülsen: Die Luhmann-Habermas-Kontroverse feierte fröhliche Urständ.

Vor geraumer Zeit wurde in der ZEIT eine zum Teil mit starken Bandagen geführte Debatte unter prominenten Vertretern der deutschen Soziologie ausgetragen. Den Auslöser bildete ein zeitdiagnostischer Essay von Thomas Assheuer. Die Erwiderung nahm Armin Nassehi vor, die schließlich Harmut Rosa auf den Plan rief. Die beiden Letztgenannten führen dabei im Kern eine wissenschaftstheoretische Debatte innerhalb der Sozialwissenschaften, die in ihren Grundargumenten der Luhmann-Habermas-Kontroverse der 1970er Jahre sehr nahe kommt. Weiterlesen

Flüchtlinge in Griechenland – Politische Interessen vs. humanitäre Unterstützung

Ein Gastbeitrag von Anne-Marie Kortas, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Ungleichheit und Sozialpolitik am WZB.

Fast täglich wird in der deutschen Presse über die weltweiten Flüchtlingsströme geschrieben. In regelmäßigen Abständen kommen Berichte über Bootskatastrophen hinzu, wie z.B. am 11. Juli diesen Jahres, als 30 Menschen bei der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland vor der Insel Samos starben ((http://www.unhcr.gr/nea/artikel/e48fdd2bc44a1f1fbf3e41b06f4e9531/death-toll-rising-in-the-aegean-as-r.html?L=rerrqqigetmduzbf)). Diesen Berichten folgen in der Regel Erklärungen verschiedenster Regierungssprecher, in denen Sie erläutern, dass diese Unfälle wahre Katastrophen sind und mehr Unterstützung für die Flüchtlinge erfolgen müsse. Dies bedeutet jedoch in den seltensten Fällen eine Änderung der nationalen Politik, sondern eher das Verstärken der Grenzkontrollen und die Abschottung Europas. Auf diese Weise wurden zwischen 2007 und 2013 insgesamt 207 Million Euro für die Absicherung der Außengrenzen in Griechenland ausgegeben, aber nur 21 Million Euro gingen in einen Fonds, der den Umgang mit Flüchtlingen verbessern soll ((Amnesty International (2014). The Human Cost of Fortress Europe – Human Rights Violations against Migrants and Refugees at Europe’s Borders, S. 10)). Die griechischen Verhältnisse sind jedoch so prekär, dass 2013 der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Überstellung von Asylbewerbern nach Griechenland als Verletzung der Europäischen Menschenrechtskonvention bestätigt hat ((http://www.humanrightseurope.org/2013/08/court-greece%E2%80%99s-treatment-of-asylum-seeker-breached-human-rights-law/)). Ein Umdenken der Politik – sowohl auf griechischer, als auch auf europäischer Ebene – ist daher notwendig. Weiterlesen

Klaus von Beyme: Scribo ergo sum.

Ein berĂĽhmter Politikwissenschaftler wird 80.

Klaus von Beyme hat viele Ehrungen erfahren. Reden wurden auf ihn gehalten, Artikel geschrieben, Gratulationen überbracht: zum 60., 65., 75. und nun zum 80. „Postmodern ohne Misere“ überschrieb die Frankfurter Allgemeine vor drei Tagen ihre Eloge auf ihn. Nicht schlecht, das trifft etwas, sicherlich nicht alles. Aber wer kann das schon „Alles“ über Klaus von Beyme sagen und schreiben, über ihn, der über fast alles selbst geschrieben hat. Ich will hier nicht als Statistiker auftreten, der noch einmal berichtet, wie viele Bücher er geschrieben hat, wie viele Artikel verfasst, in wie viele Sprachen er übersetzt und wie oft er zitiert wurde. Es soll 9700 Mal geschehen sein, behauptet Google Scholar. Das dürfte gut für ein Dutzend Berufungen reichen. Vor wenigen Wochen genügten einer Soziologin 153 Zitationen, um an der Humboldt Universität zu Berlin als Professorin berufen zu werden. Weiterlesen

The Game is not over: There is more than Protests and Football going on in Brazil

All eyes are now turned to Brazil, the „country of football“, which happens to host this year’s World Cup. Weeks before the start of the tournament, international newspapers were already filling their pages with articles about Brazil’s purported many problems: inequality, poverty, criminality, corruption, and massive protests all over. Television programs also featured infrastructure deficiencies everywhere, making the audience wonder whether international football stars would get stuck on unfinished roads and airports, besides facing the poor living conditions supposedly faced by Brazilian people every day. The sunny beaches and the beautiful tropical landscape have surely also been broadcasted, contrasted with sad images from the country’s many favelas and slums. In almost all means of communications, journalists spent weeks doing political analysis just as well as they did football predictions. Weiterlesen

Unheilige Allianz: ISIS und das Assad-Regime

Ein auf diesem Beitrag basierender Kommentar ist am 20.Juni 2014 hier im Tagesspiegel erschienen.

Der Vormarsch von ISIS ((=Islamischer Staat im Irak und Syrien)) Kämpfern im Irak schürt Angst und Schrecken. Die fundamentalistische Islam-Auslegung der ISIS und die damit einhergehende martialische Justiz, welche Bestrafungen für Andersdenkende (u.a. Enthaupten und Kreuzigungen) vorsieht, haben sogar dazu geführt, dass Al Qaida sich von dem Vorgehen der ISIS Kämpfer distanziert. ((http://www.spiegel.de/politik/ausland/al-qaida-distanziert-sich-von-isis-terrorgruppe-in-syrien-a-950830.html)) Opfer des Siegeszuges ist die Zivilbevölkerung in Syrien und im Irak. Sie lässt in großer Zahl alles hinter sich und flieht in andere Landesteile oder ins Ausland, um der Willkürherrschaft zu entkommen. Weiterlesen

The Uncertain Outcome of Protests in Venezuela

Laura Gamboa, Ph.D. Candidate in Political Science at the University of Notre Dame

Last February, Venezuela saw the beginning of widespread student demonstrations gainst  Nicolás Maduro’s government. ((For more information on Venezuela in English I recommend the Caracas Chronicles.)) For a while, it seemed like the government was not going to stand the pressure. Four months, 41 deaths and 3864 detentions later (Foro Penal Venezolano), however, things have not changed much. Weiterlesen

Why do elections not stop inequality?

Throughout the past two centuries, capitalism and democracy have proven themselves to be the most successful systems of economic and political order. Following the demise of Soviet-style socialism and the transformations of China’s economy, capitalism has become predominant across the world. The success of democracy in the last quarter of the twentieth century was equally impressive. Compared to capitalism, however, its success is much less complete. Weiterlesen

John Keane on „Love and Politics“

We would like to announce a new link in our blogroll („Lesezeichen“): John Keane’s blogposts on The Conversation. His latest post is on On Love and Politics.

John Keane is a Research Professor here at the Wissenschaftszentrum Berlin and Professor of Politics at the University of Sydney where he is also the Director of the Sydney Democracy Network. His most renowned work “The Media & Democracy” (published in 1991) was but a forerunner to a rich academic career that led to John’s position as one of the most prolific democracy thinkers of our time. Other works include “Violence and Democracy” published in 2004, “The Life and Death of Democracy” published in 2009 and “The Future of Representative Democracy” (with Sonia Alonso and Wolfgang Merkel) published in 2011. John Keane’s research interests are broad—ranging from democracy, civil society, and the media—and draw on political theory and history to provide truly multi-faceted theories that continue to push the envelope on democracy scholarship.